Von alt bis neu, von ein bis fünf Manualen

Zu siebt machten wir uns mit einem kleinen Bus auf den langen Weg aus dem Saarland über Wittlich nach Leipzig.
Die Exkursion fing an mit den kleineren ein- bis zwei-manualigen Orgeln des Barock, dann folgten die größeren drei- bis vier-manualigen Orgeln der Romantik und es endete schließlich mit der größten, einer fünf-manualigen Orgel der Gegenwart. Die wohldurchdachte Reihenfolge war wie ein Gang durch die Orgelbaugeschichte anhand von Beispielen aus dem Raum Leipzig.
Die Zacharias-Hildebrandt-Orgel aus dem Jahr 1723 in der Kreuzkirche in Störmthal zählt zu den wertvollsten Orgeln Sachsens. Dies verdankt sie dem Umstand, dass sie weitestgehend im Originalzustand erhalten ist. Sie hat 14 Register auf einem Manual und Pedal und besitzt einen sehr kräftigen Klang.
In unmittelbarer Nähe, in Rötha, in der Georgenkirche, steht eine Orgel von Gottfried Silbermann von 1721. Mit 23 Registern auf zwei Manualen und Pedal ist sie fast wie ein Rolls-Royce unter den Barockorgeln.
Die nächste Station war in der Michaeliskirche am Nordplatz in Leipzig. Die Sauerorgel von 1904 ist mit ihrem vollen weichen Klang einmalig. Die Orgel ist bis auf ein Register (Cello 8‘) im Originalzustand erhalten und für romantische Literatur bestens geeignet.
Bei einem kurzen Blick in die Thomaskirche konnten wir auch den sanften Klängen dieser Sauer-Orgel lauschen, denn da hatte eine Orgel-Studentin gerade Unterricht.
Im Merseburger Dom steht die sehr berühmte Ladegast-Orgel mit vier Manualen und Pedal. Friedrich Ladegast (1818-1905) aus Weißenfels, hat 1853 bis 1855 in das alte Barockgehäuse ein vollständig neues Werk hinein gebaut, das bei mechanischer Traktur mit Schleifladen und 81 Registern und einem Stabspiel seinerzeit eine der größten Orgeln in Deutschland war. Nachdem wir erst die vielen Absperrventile für die Manuale und allein drei für das Pedal gefunden und geöffnet hatten, konnten wir die Orgel eingehend ausprobieren.
In der neuen Propsteikirche aus dem Jahr 2015, in der Nonnenmühlgasse, steht die neueste Orgel Leipzigs. Sie ist von der Firma Vleugels und wurde 2017 eingeweiht. Sie verfügt über 46 Register auf drei Manualen und Pedal. Die vielen verschiedenen Klangfarben wurden von Stephan Rommelspacher, ehemaliger Trierer Domkapellmeister, abwechslungsreich vorgestellt.
In der Nikolaikirche am Nikolaikirchhof in Leipzig steht das größte Instrument Sachsens, die Eule- Orgel aus dem Jahr 2004. Die Orgel wurde ursprünglich 1862 von Friedrich Ladegast erbaut. Heute verfügt sie über 103 Register mit mechanischen Schleifladen auf fünf Manualen und Pedal. Vorgestellt wurde die Orgel zunächst von der Dozentin der Musikhochschule Halle, Sr. Maria Wolfsberger, danach konnten auch wir selbst an der gigantischen Orgel spielen und Frau Wolfsberger half beim aufwendigen Registrieren.
Die Abende klangen kulinarisch aus und zwar im Brauhaus an der Thomaskirche und im Gasthaus Bayerischer Bahnhof. Die Unterbringung war in dem komfortablen Hotel Michaelis in der Paul-Gruner-Straße.

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